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MV Agusta Stradale 800

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(c) Storytelling: Jochen Vorfelder
(c) Fotos, Video: moto1203, MV Agusta
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Die Motorradschöpfungen von MV Agusta rangieren normalerweise nah an einer Offenbarung.

Jetzt hat die italienische Edelschmiede aus dem Straßenfeger Rivale eine Touring-Maschine geformt - das ging aber irgendwie nicht richtig gut.

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Optik haben die Mannen von MV Agusta voll drauf. Auch bei der Stradale: Die Proportionen stimmen perfekt.

Der Dreizylinder in dem virtuosen Technik-Oevre aus Varese befeuert drei Endrohre, die auch im klassischen Orgelbau Bella Figura machen würden. Das Design ist also 1A.

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Brian Gillen, MV Agusta, on Design

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Das sagt der Hersteller:

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"Wir sind Premiumhersteller. Aber MV Agusta will bald der Primus unter den Premiumherstellern sein,“ sagt Giovanni Castigloni selbstbewusst bei der Vorstellung der neuen Stradale 800.

Der jugendliche Chef des italienischen Edelherstellers hat einen Lauf: Im Jahr 2010 hat MV Agusta noch magere 3.650 Motorräder verkauft; im vergangenen Jahr wurde an der 10.000er Marke gekratzt.

Für 2015 sind nun 12.000 Maschinen prognostiziert – doch das schafft der Nischenhersteller nur, wenn er neben seinem festen Standbein bei den rassigen Sportmodellen andere Segmente erobert. Darum wird das Dreizylinder-Plattformaggregat, das schon im Sportler MV F3 800 und dem aggressiven Straßenfeger Rivale Dienst tut, nun auch in der neuen Tourenmaschine Stradale 800 zum Einsatz kommen.

„Der Touringmarkt ist lukrativ, das können wir uns nicht entgehen lassen. Für dieses Jahr und 2016 haben wir weitere Reisemodelle wie die Stradale oder z.B. die Touring Veloce in Vorbereitung,“ verrät Castiglioni.

Die Kriegskasse dafür ist prall gefüllt: Seit Oktober 2014 hat Castiglioni mit Mercedes-AMG einen potenten Partner an Bord. Die Affalterbacher Tochter des Daimler-Konzerns, die in der Vergangenheit heftig mit Ducati flirtete, hat ein Viertel der MV Agusta-Firmenanteile gekauft.

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Nun, die direkte Transformation vom agilen Flitzer zum bequemen Reisekönner gelingt auch MV Agusta nur sehr bedingt.

Spätestens auf leeren Landstraße kann die Stradale die Rowdy-Gene, die sie mit ihrer Schwester Rivale teilt, nicht mehr verleugnen. Obwohl der Radstand gegenüber der Rivale um 46 mm verlängert wurde, mag das Stradale-Fahrwerk langsames Touring-Gezuckel und tieftouriges Cruisen gar nicht.

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Es ist eher so: Je geziemter man fährt, desto nervöser und kippeliger wird die Stradale, besonders bei kurzen Bodenwellen.

Unter Druck und bei hoher Drehzahl hingegen strahlt MV Agustas "Funtourer" plötzlich Entgegenkommen aus; je weiter man die Maschine ans Limit fährt, desto ruhiger und gehorsam scheint sie am Asphalt zu kleben.

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Für Newcomer ist die Stradale deshalb das falsche Motorrad.

Doch wer sich auf die Italo-Zicke eingestellt hat und sie straff an die Zügel nimmt, hat trotz der Drosselung des 800er Motors auf 115 PS ein geiles, fulminantes Sportgerät im Einsatz.

Wunderbar, wie der Motor turbinenartig auf 10.000 Umdrehungen faucht.

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Für die Rasanz sorgt auch der MV-Schaltassistent EAS 2.0, der nach dem Hochschalten jetzt auch das Runterschalten ratzfatz ohne Kupplungseinsatz zulässt.

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Ansonsten hat MV Agusta basierend auf seinem Ride-by-Wire-System natürlich umfassende Elektronik an Bord.

ABS sowieso, eine achtstufige Traktionskontrolle, drei Standard-Fahrmodi sowie einen voll konfigurierbaren Custom-Mode, der u.a. Leistung, Härte der Gasannahme, den Drehzahlbegrenzer und die Traktion steuert.

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Brian Gillen, MV Agusta, on Touring

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Das muss man wissen:

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Und Touring? Geht so.

Dass die Touren-MV hier nicht begeistert, liegt vor allem an der sehr eigenen Ergonomie der kompakten, aber mit über 850 mm Sitzhöhe ziemlich hochbeinigen Stradale: Der Fahrer hängt wie auf einer Supermoto in einer kurzen, stark ausgeformten Mulde extrem weit vorne; die Beine umschließen den stark konturierten Tank.

Den breiten Lenker haben die Vareser hoch und weit nach hinten gesetzt - es wird also sehr eng mit langen Beinen und Armen, auch für eine zweite Person an Bord.

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Mit dem Badehandtuch, den FlipFlops und der Wechselgarderobe an den Strand, das geht gut.

Für die Option, bei einem kurzen Wochenendurlaub auch längere Strecken zu kloppen, ist die Stradale dagegen nicht gebaut.

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Das Navi muss irgendwo in das kleine Cockpit gefrickelt werden; eine Steckdose sucht man dort vergeblich.

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Montage der Reisetaschen

Die originellen, aber kleinen und empfindlichen Softshell-Koffer, in die MV die Rückleuchten integriert hat, fassen keinen Helm und nur bedingt Gepäck.

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Für die Stradale 800 ruft MV Agusta 13.890,00 EUR auf.

Das ist für einen kleinen, nicht besonders praktischen Reisetourer schon eine Menge, die zögerlich macht.

Anderseits: Eine exklusivere Rotzgöre findet man nicht auf dem Markt.

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Das werden wir nicht vergessen:

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Dass es immer noch eine gelegentlich durchschimmernde Eigenschaft italienischer Hersteller zu sein scheint, vollmundig im großen prallen Ganzen zu schwelgen, die schönsten Motorräder auf die Straße zu bringen, und dabei schnöde Details schlichtweg zu vergessen.

Auch MV Agusta ist dagegen nicht gefeit. Den Tank der Stradale 800 schmückt die zeitlos geniale Premium-Aufschrift „Bevor verwenden, sorgfältig gelesen das Bedienungs- und Wartungsanleitung.“

Wir lieben euch dafür. Denn wie sagte schon euer Bruder im Geiste, der begnadete Video-Künstler Nam June Paik:  "Wenn too perfect lieber Gott böse." 

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Fahrzeugschein:
MV Agusta Stradale 800

Hersteller: MV Agusta
Typ: Stradale 800
Karosserie: Motorrad
Motor: Dreizylinder-Reihenmotor
Getriebe: Sechsganggetriebe
Hubraum: 798 ccm
Leistung: 84,5 kW / 115 PS bei 11.000 U/min
Drehmoment: 78,5 Nm bei 9.000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 214 km/h
Trockengewicht: 181 kg
Tankinhalt: 16 l
Preis 13.890,00 EUR

Stand: Februar 2015

Offenlegung: Dieser Fahrbericht entstand durch Unterstützung der Firma MV Agusta.





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